Die Expertinnen der WIB-Integrationsberatung für Menschen nmit Hörbehinderung sind regelmäßig zu Workshops in verschiedenen Institutionen, Unternehmen und Behörden eingeladen. Am 5. März leitete die gehörlose WIB-Mitarbeiterin Julia Zeiß einen interaktiven Workshop bei der Deutschen Bahn. Ein DB-Mitarbeiter und Teilnehmer hat dazu einen Beitrag verfasst und WIB freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.
Kommunikation ohne Barrieren: Einblick in die Weltder Gebärdensprache
Wie fühlt es sich an, die Welt mit den Ohren eines Schwerhörigen zu hören? Und wie kann Gebärdensprache die Zusammenarbeit im Team verbessern?
Ich bin taub, das heißt, ich benutze die Deutsche Gebärdensprache (DGS) und arbeite inzwischen seit fast sechsJahren bei der Deutschen Bahn. Seit September 2024 bin ich in der OE Fachplanung bei Infrastrukturprojekte Ostals Technischer Zeichner tätig, davor war ich in der Abteilung BP4.0 Bestandsplanbereinigung bei I.IA-O.
Zur Unterstützung meiner Kommunikation trage ich auf einer Seite einHörgerät und auf der anderen ein Cochlear-Implantat (CI). Diese helfenmir in bestimmten Situationen, erleichtern aber nicht alle Aspekte derVerständigung. Um meinem neuen Team einen Einblick in dieBesonderheiten der Kommunikation mit tauben und schwerhörigenMenschen zu geben, fand am 5. März 2025 gemeinsam mit demIntegrationsfachdienst ein lockerer Kommunikations-Workshop zurSensibilisierung im Umgang mit schwerhörigen und tauben Menschen statt.
Dank der Unterstützung meiner Führungskraft Frau Breuer konnte die Schulung stattfinden. Geleitet wurde sie von einer gehörlosen Dozent indes Integrationsfachdienstes Berlin, begleitet von zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen. Auch zwei Schwerbehindertenvertrauenspersonen Frau Lutz und Frau Meissnerwaren dabei und nahmen aktiv an der Schulung teil.
Ein wichtiger Bestandteil der Schulung war ein Hörbeispiel, das veranschaulichte, wie schwerhörige Menschen die Welt akustisch wahrnehmen. Das war für viele im Team eine spannende und aufschlussreiche Erfahrung.
Ein Schwerpunkt der Veranstaltung war die Deutsche Gebärdensprache (DGS) – ihre Bedeutung und Einsatzmöglichkeiten im Berufsalltag. Wir haben gemeinsam erarbeitet, wie sie helfen kann, Barrieren abzubauen. Die Teilnehmer lernten einige grundlegende Gebärden wie „Guten Morgen“ sowie das Fingeralphabet. Jeder durfte mitmachen und die neue Sprache ausprobieren.
Besonders viel Spaß hatten alle beim Spiel „Stille Post“ – mit einem kleinen Twist: Statt zu flüstern, wurde das Wort nur durch Mundbewegungen weitergegeben. Die Herausforderung? Das Lippen absehen! Es war spannend zu sehen, welche Wörter am Ende dabei herauskamen – und es wurde viel gelacht.
Zusätzlich gaben wir praktische Tipps zur Online-Kommunikation, um Berührungsängste und Missverständnisse zu vermeiden und die Zusammenarbeit noch effizienter zu gestalten. Bei jeder Teamsitzung sind zwei Gebärdensprachdolmetscher dabei, um die Kommunikation für mich und mein Team barrierefrei zu ermöglichen.
Es war eine tolle Veranstaltung! Meine neuen Kolleginnen und Kollegen konnten nicht nur viel mitnehmen, sondern auch der Teamzusammenhalt wurde gestärkt. Eine gelungene Erfahrung für alle! Es zeigt sich, dass bei uns Inklusion am Arbeitsplatz möglich ist.
Stephan Rhienow
Mitarbeiter bei der DB InfraGO AG
